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Interview mit Dopewalka

Am 20.04.2010 21:44:24

Da hatten wir den part time Münsteraner Goldvibser Dopewalka bereits einige Tage zu Besuch in der Reggae-Town WG, aber haben es nicht geschafft, ihn zu interviewen. Das haben wir natürlich sofort für euch nachgeholt und mit ihm per Mail ein wenig über happy Ends, seinen inneren Frieden, seine Ziele und über seine neue EP „Fluss des Lebens“ philosophiert... Und was er nachts macht, wenn er mal nicht schlafen kann, könnt ihr hier auch lesen.

Reggae-Town.de (Jens und Tim) (R-T.de): Hey Lukas, auf zum dritten Dopewalka Interview. Kannst du dich noch an das letzte Interview erinnern?

Dopewalka (Dopewalka): Natürlich. Schon ein Weilchen her, aber ja, ich erinnere mich. Ist mir natürlich immer wieder eine Freude.

R-T.de: Obwohl wir uns inzwischen ja schon öfter getroffen haben, laufen unsere Interviews immer digital ab. Woran liegt das deiner Meinung nach und wie stehst du zu diesem ganzen Internetkram?

Dopewalka: Zum richtigen Zeitpunkt sind wir wohl immer am “falschen” Ort. So sollte es wohl sein. Freue mich natürlich trotzdem drauf, dass auch mal Auge um Auge zu machen. Aber wir sind ja noch jung und Gelegenheiten warten da sicher noch reichlich (lacht).
Was den Internetkram angeht: Die Frage ist ja immer wie man ein Medium nutzt, erstmal ist es ja nur ein Medium. Das Internet ist eben ein Medium, das einem heutzutage ermöglicht, viele Menschen zu erreichen. Also warum nicht nutzen was einem geschenkt wird? Für Musiker mag es ja scheinbar Fluch wie Segen zu sein, je nach Perspektive und vorherrschendem Motiv. Für mich, der ja fast ausschließlich auf die Ohren und Herzen der Hörer abzielt und kaum auf deren Geldbeutel, ist es natürlich ideal. Ich kann die Dinge selbst in die Hand nehmen, meine Releases in verschiedenen Communitys und Foren promoten und, wie sich gezeigt hat, ja auch viele Menschen damit erreichen. Da kann ich mich also nur sehr, sehr dankbar zeigen, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde.
Und dieses Interview, geschweige denn Reggae-Town.de, würde es ja ohne das liebe Internet auch so nicht geben. In diesem Sinne: Dankeschön!

R-T.de: Du hast gerade deine neue EP “Fluss des Lebens” erneut per Internet veröffentlicht. Wieso hast du wieder den Weg des kostenlosen Downloads gewählt?

Dopewalka: Ich hab mir damals nicht viel Gedanken darüber gemacht. Mir ist nach wie vor wichtig, dass gehört wird, was ich von mir gebe und, dass es jeden erreicht, der sich hingezogen fühlt. Natürlich durchdenkt man Mal die Möglichkeiten aber letztendlich habe ich mich entschieden es erstmal wie gehabt weiterzumachen und dem Ganzen kein Preisschild anzuhängen. Wer möchte, hat ja auch weiterhin die Möglichkeit mir eine Spende zukommen zu lassen. Ich war und bin seither auch viel in und mit mir selbst beschäftigt und habe für die EP kaum Promotionarbeit betrieben. Ich hab das Ding mitsamt neuer Page online gestellt und die Dinge seitdem erstmal passieren lassen ohne groß einzugreifen. Das läuft jetzt alles erst mit gebührender Verspätung warm. Das Street-Team wächst und wartet seit Monaten auf seine Flyerpakete. Auf Myspace ist von meiner Seite her auch noch nicht viel passiert. Aber alles zu seiner Zeit, ich hab`s nicht eilig (lacht). Mit immerhin guten 5000 Downloads hat sich die EP ja auch schon mal schön verselbstständigt. Nebenbei entstehen und entstanden natürlich auch schon wieder reichlich neue Songs und so langsam aber sicher kommen auch wieder Ideen für das nächste Album auf. Aber auch hier: keine Eile und alles zu seiner Zeit.

R-T.de: “Fluss des Lebens” als Titel lässt sich ja recht frei interpretieren. Beginnen wir mal am Anfang, wo hat dich der Fluss des Lebens seit unserem letzten Interview vor zwei Jahren hin gespült?

Dopewalka: In den letzten Jahren hab ich mich selbst lange von A nach B nach C und nach D getrieben. Ich war immer auf der Suche nach dem nächsten “Hoch”, der nächsten Erfahrung, bin immer noch ein wenig rastlos und oft unterwegs, aber erkenne dadurch auch immer klarer, dass ich das was ich suche nur in mir selbst finden kann und, dass das vor dem ich weglaufe mich überall hin begleitet. Somit ist jeder Ortswechsel und jedes vorübergehende Hochgefühl eben nie eine dauerhafte Lösung auf der Suche nach wahrem, innerem Frieden.
Mein Fokus hat sich in den letzten Jahren auf jeden Fall sehr verändert beziehungsweise ist sehr viel klarer geworden. Was meine Vorlieben, meine Lieblings-Ausdrucksformen angeht, bleibt Musik natürlich auch weiterhin die Nummer eins, auch wenn ich mich seit einiger Zeit auch über meinen Blog immer öfter in Schriftform ausdrücke. Allerdings lege ich immer öfter und dauerhafter die Vorstellung ab, dass irgendein zukünftiges “Happy End” mich vervollständigen kann und wird, dass es irgendeinen Punkt in meinem Leben gibt, den ich zum Glücklichsein erreichen müsste. Sei es im musikalischen Bereich oder in irgendeinem anderen. Jede Vorstellung von der Zukunft vernebelt mir nur die Schönheit des Moments und letztendlich weiß ohnehin nur Gott was passiert. Alles was ich brauche hab ich hier und jetzt. Das ist es, was ich einatmen will. Immer tiefer und tiefer! Und nun ja, mein Vertrauen wächst und bis ich über jeden Zweifel erhaben bin, bleibe ich fokussiert! Mein Ziel ist also formlos geworden, der Durst nach innerem Frieden immer stärker und die Suche nach der Wahrheit immer intensiver. Ich will schlicht wissen was ich wirklich bin. Und das hat nichts mit dem kleinen Selbstbild zu tun das mein Kopf mir verkaufen will. Ich will aufhören mich selbst zu suchen, ich will ich selbst sein und jede Erfahrung auf diesem Weg verpacke ich auch weiterhin mit immer mehr Leidenschaft in meine Musik und ich freue mich natürlich zu sehen und zu spüren wie viel da von den Leuten zurückkommt und wie viele daraus wertvolle Impulse ziehen können. Die Quelle aller Kreativität und Leichtigkeit in meinem Leben freizulegen genießt also meine größte Aufmerksamkeit und ich bin sehr froh und dankbar für die Zeit, die mir geschenkt wurde und alles was ich bisher lernen durfte beziehungsweise für alles woran ich mich erinnern durfte.
Seit den letzten Monaten bin ich vorübergehend in Münster wohnhaft, inmitten des Goldvibes-Camps. Hier ging für mich im üblichen Auf und Ab auch sehr viel voran, sowohl musikalisch, als auch in meiner persönlichen Entwicklung. Eine Entwicklung, die mich immer weiter weg vom “Persönlichen” führt, die mir immer deutlicher macht, dass ich eben nicht nur eine “Person”, sondern etwas weit größeres bin und lediglich in der gedanklichen Verkleidung einer Person stecke.
Der Kopf hat das zwar schnell verstanden, aber aus der Identifikation mit dem Ego herauszutreten braucht eben Zeit, Erfahrung und Geduld. Dahin führt der Weg und ich bin froh an dem Punkt angekommen zu sein, wo ich hier und heute stehe. Und Gott sei Dank lassen meine Lebensumstände mir ja auch viel Raum und Zeit, um mich mit den für mich wichtigen Fragen auseinanderzusetzen (lacht). Ich bin wirklich dankbar für die Zeit und den Input, der mir hier geschenkt wurde.

R-T.de: Wer hat alles an der EP mitgearbeitet?

Dopewalka: Was die Produktion angeht kommt wieder vieles von mir. Drei Riddims kamen von außerhalb, von Million Stylez, Soundproof und DTC Records. Außerdem ist natürlich eine Combination mit meinem lieben Bruder Goldi vertreten, die er dann auch im Goldvibes Studio gemischt hat. Das Mastering der EP geht auch auf seine Kappe. Das wundervolle Artwork hab ich Mathias von Lionpaw zu verdanken, der mit mir die Nächte durchphilosophiert hat und meine Gedanken und Gefühle in eine wunderschöne Form bringen konnte. Von Herzen Tausend Dank an alle!

R-T.de: Was können wir inhaltlich denn genau von deinem “Fluss des Lebens” erwarten?

Dopewalka: Lichtblicke! In musikalische Form geflossen, in die Welt geschickt, frei zugänglich für jeden! If you like it – get it! And if you like it – spread it! (lächelt)

R-T.de: Was ist deiner Meinung nach die auffallendste musikalische Veränderung seit deinem letzten Album?

Dopewalka: Es ist einfach gereifter, flüssiger und offener. Der Zeigefinger, der auf andere deutet verschwindet immer mehr aus den Texten. Mehr Liebe, mehr Zuversicht, mehr Licht strahlt aus den Texten. Die Songs fließen immer mehr über den Tellerrand, bewegen sich raus aus der Genre-Schublade. Immer weniger starres Konzept, immer weniger Gedanken drumherum, es passiert eben einfach.

R-T.de: Inwieweit ist deine EP von deiner Spiritualität beeinflusst?

Dopewalka: Naja, man bringt ja immer nur sein Inneres nach Außen. Zum Beispiel auch in Form von Musik, die wie ich finde ja dadurch, dass sie mit so vielen Sinnen arbeitet wunderbare Transparenz zulässt. Von daher hat die “Spiritualität” natürlich immensen Einfluss beziehungsweise, sie IST der Einfluss. Es geht ja eigentlich nur um die innere Aufräumarbeit, um ungehindert fließen zu lassen und fließen zu können. Was in mir passiert, passiert auch in meiner Musik. Was ich fühle und erfahre verpacke ich in meinen Liedern - so gut und so transparent mir das eben gelingt. Wenn mein Leben fließt, fließt meine Musik. Lass ich mir Luft zum Atmen und quetsch mich im Leben in kein steifes Raster, so wird sich das natürlich auch in meiner Art Texte zu schreiben, zu singen, zu spielen zeigen. Innen wie Außen... (grinst)

R-T.de: Passend zu der EP hast du auch zahlreiche und recht lange Blogeinträge bei MySpace veröffentlicht. Sag uns doch mal was sich dahinter versteckt?

Dopewalka: Ich bin einfach genau zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben auf die richtigen Quellen gestoßen, die mir sehr viele Fragen beantwortet haben, die schon lange in mir pulsierten. Da wurden wirklich Pforten in mir geöffnet, die ich schon fast vergessen hatte. Daraufhin durfte ich dann unbeschreiblich losgelöste und göttliche Momente erleben und wunderschöne Erfahrungen machen, die wirklich mit nichts zu vergleichen sind, was ich im Laufe dieses Lebens bis dahin gekannt hatte. In einer wunderschönen und für mich wegweisenden Neumondnacht war ich dann so erfüllt von Liebe und neuer Erkenntnis, alles um mich herum schien mir fast knisternd vor Energie und ich habe es nach kurzer Zeit auch aufgegeben in dieser Nacht noch Schlaf zu finden. Also bin ich aufgestanden und hab mich erstmal wie gewohnt an den Schreibblock gesetzt, um das was da in mir pulsierte in einen Song zu packen. Aber da sprudelte so viel aus mir, so viele Worte wie nie zuvor und das gewohnte Reim- und Taktgerüst war dem Fluss dann einfach im Weg. Also hab ich angefangen alles einfach genau so aufzuschreiben, wie es mich überkam. Ich bin dann so tief in den Fluss getaucht, dass ich tagelang fast ununterbrochen an meinem PC saß, fieberhaft getippt, wenig gegessen und getrunken habe und mich dann wie im Trance gefühlt habe. Wunderschön und unbeschreiblich (lacht)! Für mich der erste Vorgeschmack auf das große Erwachen, eine Erfahrung die mir erstmals gezeigt hat „wie viel mehr“ ich bin. Das fühlt sich für mich also in gewissem Sinne wie ein Startschuss auf der Zielgeraden an! Und damit einher ging eben wie immer mein tiefer Wunsch das zu teilen und weiterzugeben, was mir so unglaublich gut getan hat. Also hab ich den Blog ins Leben gerufen. Da verfolge ich auch keine Regelmäßigkeit und ich nutze wirklich nur die Momente, die mich in die Tiefe führen. Was ich schreibe, schreibe ich immer mehr aus Erfahrung. Buchwissen ist Kopfwissen, erfahrenes, gefühltes Wissen ist wahres Wissen. Knoten im Kopf haben wir schon genug, deswegen versuche ich damit Klarheit zu fördern und Verwirrung aufzulösen. Jeder Blogeintrag ist natürlich auch ein Selbstgespräch und enthält die wichtigsten Erkenntnisse, die ich für mich festhalten und vertiefen will. Und wenn das für irgendjemanden wertvolle Impulse bereithält oder jemand was davon gebrauchen kann, wird die Anziehungskraft das schon regeln und derjenige wird darauf stoßen.

R-T.de: Reicht es nicht mehr nur alles über Texte in der Musik auszudrücken?

Dopewalka: Wie gesagt, mancher Strom fließt zu schnell, als dass man da noch Zeit hätte das in Songform zu bringen, wenn „es“ in einem auftaucht. Das wandert natürlich genauso auch in die Songs, aber in manchem Moment muss es einfach nur raus, raus, raus! In voller Länge und ungefiltert von jedem Songtext-Konzept.

R-T.de: Was passiert jetzt als nächstes? Ist was geplant?

Dopewalka: Ich habe keinen festen Plan. Ich hab natürlich meine Vorstellungen, aber wer weiß schon was passiert. Ich versuche meine Aufmerksamkeit auch so gut es mir gelingt auf dem Moment, auf das hier und jetzt zu richten, denn handeln kann man nur in der Gegenwart. Ich bin mir sicher, dass alles genau so passieren wird wie es sein soll. Mein Herzenswunsch lebt weiter. Musik zu machen war nie eine Frage der Entscheidung. Ich glaube, für mich kam von Kindesbeinen an überhaupt nichts anderes in Frage. Ich kann also mal die Prognose wagen, dass noch reichlich neue Musik passieren wird. Vieles ist ja auch schon im Kasten und wird dann beizeiten veröffentlicht. Alles weitere wird sich zeigen. Ans Herz legen möchte ich euch natürlich noch das kommende Album von Goldi auf dem auch noch eine Combination mit mir zu hören ist. Aber darüber sollte ja jeder aufmerksame Reggae-Town-User ohnehin bestens informiert sein. (grinst)

R-T.de: Was können wir im Jahr 2010 noch von Dopewalka erwarten?

Dopewalka: Keine Ahnung, ich kenne den Typen doch kaum! (lacht) Spaß beiseite. Wie zuvor schon erwähnt, die Zeit wird es zeigen...

R-T.de: Was hat dich im Jahr 2009 geflashed? Lass uns doch mal ein wenig Revue passieren...

Dopewalka: Lichtblicke! Liebe! Offene Herzen! Neue Erkenntnisse! Der heilige Geist!

R-T.de: Noch ein abschließendes Statement für die Leser?

Dopewalka: Seid was ihr seid! Mehr Fühlen, weniger Denken! Schaut nach Innen, lasst euch nicht aus der Ruhe bringen! Fühlt euch umarmt! Wir sind eins!

R-T.de: Ich danke dir für deine Zeit!

Dopewalka: Immer wieder gerne. Danke für euer Interesse!

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