Interview mit Irie Miah
Am 26.01.2010 23:20:55
Irie Miah & The Massive Vibes ist eine Münsteraner Reggaeband, die am Ende des Jahres 2009 ihr drittes Studio Album “Crime On Humanity” veröffentlicht hat. Der Frontmann der Band, Irie Miah, ist einer der dienstältesten Reggaeveteranen des Landes und hat bereits in den 80ern seine ersten Reggaeparties veranstaltet. Wie Irie Miah diese Zeitspanne so erlebt hat und was sich bis zu ihrem aktuellen Album “Crime On Humanity” getan hat, erzählt er uns in diesem Interview.
Reggae-Town.de (Jens P. Neumann): Hey Irie Miah, bitte stelle dich und deine Band mal den Lesern auf Reggae-Town.de vor.
Irie Miah (Miah): Hallo, wir sind Irie Miah & the Massive Vibes aus Münster in Westfalen. Uns gibt es unter diesem Namen seit 1997 und seit 1999 sind wir auch live in Deutschland unterwegs.
Jens P. Neumann: Ihr seid sicher eine der dienstältesten Reggaebands des Landes. Bitte gib uns doch mal einen kurzen chronologischen Überblick über euer fast 15 jähriges Bandbestehen...
Miah: Wie gesagt, angefangen hat alles so um 1997, ganz genau gesagt im Herbst 1996, als ich mit einem Musikerkollegen meiner Vorgängerband, dem Keyboarder Klaus Wenzel, begonnen habe am Atari Riddims und Songs zu entwickeln. Das Ziel war eine EP zu machen, parallel zu meiner damaligen Band Provibes. Kurz darauf kam es im Frühjahr 1997 zum Split mit dieser Band, woraufhin noch mehr Songs hinzukamen und dann im Herbst 1997 ein Album daraus wurde. Auf dieser CD „Nature Strikes Back“ spielten dann noch weitere Ex-Mitglieder der Band Provibes wie der Trompeter Detlef Wiesnewski, der Saxophonist Jochen Schwenken und der Gitarrist Markus Dassmann mit. Im nächsten Jahr habe ich dann einige weitere münsteraner Musiker, nicht nur aus dem Reggaebereich, um mich scharen können, um die CD auch Live zu präsentieren. Ab März 1999 waren wir mit unseren Proben soweit und seit dem sind wir unterwegs. Im Jahr 2000 sind wir dann für weitere CD Aufnahmen wieder ins Studio gegangen. Vorher hatten wir einen neuen Drummer eingearbeitet und am Ende kam die zweite CD „In The Fire“ zustande. Damit konnten wir gut für uns werben und haben zum Beispiel auch auf dem Reggaejam 2001 in Bersenbrück gespielt, damals das erste Mal an der jetzigen Location Klostergarten. 2004 haben uns leider zwei langjährige Mitglieder der Bläsersektion auf eigenen Wunsch verlassen und es hat ein bisschen gedauert bis wir wieder dauerhaften Ersatz gefunden haben. Allerdings spielen die zwei immer mal wieder bei uns mit. In der Zeit kam auch unser jetziger Leadgitarrist zu uns, so dass wir nun mit zwei Gitarristen spielen. Zwischendurch kam unser Original Drummer wieder zurück, verließ uns allerdings 2007 wieder. Also mussten wir wieder einen Drummer einarbeiten, der aus einer damals ganz jungen Reggaeband namens Genuine Colours aus Münster zu uns kam. In diesem Jahr hatten wir dann wieder genügend Reserven, um endlich unsere dritte CD „Crime On Humanity“ zu produzieren. Diese ist ganz frisch veröffentlicht und wurde von uns und einigen Gästen am 18. Dezember 2009 im Triptychon in Münster präsentiert. Ich hoffe das war kurz genug, aber ist ja auch eine lange Zeit.
Jens P. Neumann: Wie ist die Releasefeier verlaufen und wer war alles dabei?
Miah: Die Releaseparty war knackig kalt, minus 15° C und Schnee. Das hat ein paar Leute abgehalten zu kommen, trotzdem war es angenehm gefüllt. Als Gäste waren bei uns auf der Bühne Flaming Mo, Empress Ireena und Junior Klapp mit jeweils zwei eigenen Songs. Im Vorprogramm hat Time Will Tell gespielt, eine Roots Reggae Band mit Cellistin, bei der auch unser Drummer drummt. Sound vorher und nachher kam von Roots Plague Sound, einem münsteraner Soundsystem.
Jens P. Neumann: Wie sah damals zu eurer Anfangszeit die Szene in Deutschland aus? Wie habt ihr das empfunden?
Miah: Die Szene vor dreizehn Jahren war wohl im Umbruch oder in einer Art Inkubationszeit. Gentleman und Seeed standen kurz vor dem Durchbruch oder in den Startlöchern und viele Soundsystems gründeten sich. Konzerte von Roots Reggaegrößen wurden eher seltener und es gab neben dem Summerjam langsam wachsende Festivals.
Jens P. Neumann: Was hast du vor deiner Zeit bei Irie Miah and the Massive Vibes gemacht?
Miah: Vorher waren mein jetziger Trompeter und ich zusammen bei der Band Provibes, die sich 1989 gegründet hatte. Ganz zu Anfang war da sogar noch unser Keyboarder Tiffel mit dabei, aber nicht lange. Bei Provibes spielten zum Beispiel Richie a.k.a. Dr. Ring Ding an der Posaune und Markus Dassmann - heute Senior Allstars oder Sharp Axe Band - an der Gitarre. Als weiterer Vokalist war Vital Jason a.k.a. Papa Jason mit von der Partie. 1994 haben wir die CD „Rootsman Session“ aufgenommen. Drei Jahre später haben sich unsere Wege dann getrennt und irgendwann hörte diese Band dann ganz auf.
Jens P. Neumann: Wie bist du überhaupt zur Reggaemusik gekommen und was war der Anreiz, dann auch aktiv welche zu machen?
Miah: Als 14 Jähriger habe ich Eintrittskarten zum Bob Marley Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle bekommen. Das war am 13. Juni 1980, ein Freitag. Seit dem bin ich dabei. Selbst aktiv wurde ich aber erst ab 1988, als ich mit Vital Jason einige Reggaeparties organisiert und durchgeführt habe. Dann wurde ich gefragt, ob ich mal singen wolle und hab es dann einfach mal gemacht und ab 1989 wurde dann Provibes daraus.
Jens P. Neumann: 1988 hast du die ersten Reggaeparties veranstaltet? Wie sind diese abgelaufen?
Miah: Das habe ich ja nicht allein gemacht, sondern mit Vital Jason meinem späteren Vokalkollegen bei Provibes zusammen. In Münster gab es ausserdem schon vorher Reggaeparties mit Plattenauflegern, die gut gemacht waren. Wir haben dann einen Partyraum und wenn nötig eine Anlage gemietet, unsere Plattenspieler und Mischpult genommen und dann 7“, 12“ und LPs ineinander gemixt, damit keine Pause entsteht und die Leute möglichst am Tanzen bleiben.
Jens P. Neumann: Wieso hat sich Provibes getrennt?
Miah: Das ist jetzt 13 Jahre her und für mich nicht mehr wichtig. Es ging aber generell darum, wie eine angedachte zweite CD produziert werden sollte. Da gab es verschiedene Ansichten, die letztlich nicht zu vereinbaren waren.
Jens P. Neumann: Wie würdest du euren Stil heute beschreiben?
Miah: Ich glaube prinzipiell sind wir relativ offen für verschiedene Richtungen des Reggae, aber trotzdem ist in meinem Verständnis der Roots Reggae bestimmend, wobei ich diese Definition eher aus meinem Erfahrungsschatz herausziehe, weniger aus dem, was in der Szene heute als Roots Reggae angesehen wird. Wir sind eher klassischer Roots Reggae möchte ich mal sagen aber auch mit Ska und Dancehall vertraut. Allerdings komponieren wir die meisten unserer Lieder selbst, auch wenn mal ein bekannter Riddim dabei ist, fehlt nie unsere eigene Komponente.
Jens P. Neumann: Münster ist eine der Reggaehochburgen des Landes. Wie kommt diese kleine Stadt zu diesem Ruf und wie nimmst du die Szene im Wandel der letzten 15 oder 20 Jahre wahr?
Miah: Möglicherweise liegt das an der studentischen Ausrichtung in Münster, aber nicht nur. Angefangen hat es in Münster ja Ende der siebziger Anfang der achtziger Jahre mit einigen Live Bands, wobei damals auch englische Soldaten hier in Münster stationiert waren und einige den Reggae mitbrachten. In den letzten 20 Jahren hat sich enorm viel verändert. Mitte der Achtziger gab es zwei, drei, vielleicht vier Reggaebands in Münster und dazu an wechselnden Orten Reggaeparties in meist unregelmäßigen Abständen. Es gab Locations wie das Odeon und auch das Jovel. Dort sind echte Reggaegrößen aufgetreten, wie zum Beispiel Burning Spear, Linton Kwesi Johnson, Culture, Freddie McGregor, Ras Michael, Desmond Dekker, Gladiators und viele mehr.
Das gibt es heute nicht mehr, weil einerseits das Odeon zu ist und das Jovel es auch lange Jahre war, andererseits hat sich die Szene wohl mehr in Richtung Soundsystems entwickelt, die dann Toaster dabei haben. In Münster gab es vor nicht allzu langer Zeit jedes Wochenende mindestens eine reguläre Reggae Veranstaltung. Mittlerweile nicht mehr aber das war auch abzusehen.
Jens P. Neumann: Was wusstet ihr damals über Reggae und woran habt ihr euch orientiert?
Miah: Na ja, in der Rückschau hat uns die Geschichte des Reggae eher weniger interessiert, als vielmehr der Werdegang von Produzenten wie Lee Perry, oder Clement Dodd. Damals war Reggae ja auch viel weniger in verschiedene Genres gesplittet als es heute ist. Es war einfacher sich für alle Musikstile zu interessieren und letztlich habe ich sie auch eher als homogen empfunden. Manches gefiel halt, manches nicht.
Jens P. Neumann: Wie bist du von 1980 bis 1988 an neue Reggaemusik gekommen und welche Musiker hast du so gesehen?
Miah: Ich habe bei Irie Records in Münster gekauft, hab Rodigans Rockers on BFBS gehört und auch viele Kassetten von Freunden aufgenommen bekommen. Gesehen hab ich in der Zeit zum Beispiel Misty in Roots, Ziggy Marley, Eek-A-Mouse, Burning Spear, LKJ, Gladiators, Culture, Desmond Dekker und noch viele andere.
Jens P. Neumann: Wer waren die ersten Livebands im Reggaebereich die du Ende der 70er und Anfang der 80er dann wahrgenommen hast?
Miah: Für mich begann alles mit Bob Marley 1980, dann Black Uhuru, Misty in Roots und auch einige der damals in Münster aktiven Bands, wie zum Beispiel Walata, Dreadline oder New Meaning.
Jens P. Neumann: Laut dem „Reggae in Deutschland“ Buch gehörten The Vision, H.P. Setter, Natty U und die Herbman Band zu den ersten aktiven Produzenten und erfolgreichen Reggaebands? Wie hast du diese Bands damals wahrgenommen?
Miah: Die Herbman Band hab ich auch Live gesehen und fand sie ganz gut, Natty U war nicht so mein Fall damals, The Vision ebenso und H.P.Setter ist ja auch eher ein Produzent und Mischer denn ein Interpret.
Jens P. Neumann: Wer war in den 80ern denn sonst noch alles im Reggaebereich aktiv? Kannst du uns diese Zeit kurz ein Mal beschreiben?
Miah: Wenn du die deutsche Szene meinst fällt mir noch Bayermann Vibration mit Hans Söllner ein, vielleicht auch Ragga Fränkie, kann aber auch schon später gewesen sein. In Münster gab es damals immer drei bis vier Bands, die sich oft aus den selben Leuten zusammensetzten. Da fand ich Jahwaddamuzik mit Jah B nicht schlecht oder auch Walata und New Meaning.
Jens P. Neumann: Was waren die besten Konzerte die du in der damaligen Zeit sehen konntest?
Miah: Ganz klar Bob Marley, aber auch Black Uhuru oder Gladiators in Hamburg und Burning Spear in Münster.
Jens P. Neumann: Welche Musiker haben euch damals beeinflusst?
Miah: Das ist schwer zu sagen aber für mich gilt, dass ich gerne Studio One Produktionen höre, genauso wie Tuff Gong Sachen, Yabby U, Prophets, Tony Tuff, King Tubby und Lee Perry Produktionen aus der Black Ark Zeit... generell die Zeit bis ungefähr Mitte der neunziger Jahre.
Jens P. Neumann: Vor zwei Wochen habt ihr eure neue CD veröffentlicht. Hat sich bei euch etwas grundlegend musikalisch geändert? Von welchen Themen singst und sprichst du?
Miah: Musikalisch hat sich glaube ich einiges geändert in Bezug auf die Komposition. Wir sind da insgesamt sorgfältiger und auch vielfältiger dran gegangen als bisher. Sonst sind wir uns hoffentlich treu geblieben und machen unseren handgemachten Reggae.
Die Themen sind vielfältig, angefangen bei der „Partytime“ und was man da so macht, bis hin zum Fahrradfahren in der Umgebung. Allerdings kommen auch ernste Themen zum Tragen, wie in „Smoking Society“ wo es um Umweltzerstörung geht oder „E-minor Skank“ wo es darum geht, dass wir unsere Probleme weltweit angehen müssten. Aber auch die Liebe zum Reggae wird zum Ausdruck gebracht, „What Else“.
Jens P. Neumann: Die CD trägt den Titel “Crime On Humanity”. Wieso hast du diesen Titel gewählt und an welche Verbrechen denkst du dabei?
Miah: In unserem Booklet sind ja alle Texte aufgeführt und wer das dann liest kann sich da sicherlich verschiedene Situationen und Regionen der Welt vorstellen, in denen Bürger eines Landes auf Bürger des gleichen Landes schießen und dabei die unbeteiligten Menschen am stärksten in Mitleidenschaft ziehen. Menschen, die so etwas befehlen müssen vor Gericht.
Jens P. Neumann: Wie siehst du selbst heute die Lage der Welt?
Miah: Durchwachsen! Es gibt positive Ansätze zu mehr globaler Verantwortung aber eben auch immer noch und wohl auch weiterhin nur schwer lösbare Probleme und auch Rückschläge in deren Bekämpfung. Aber manchmal geht es erst einen Schritt zurück, um dann umso größere Schritte nach vorn zu machen.
Jens P. Neumann: Wo und wie habt ihr eure neue CD aufgenommen?
Miah: Wir haben bei Gerd Bracht in Gerds Garage aufgenommen, so heißt das Studio. Da waren wir bisher immer, denn da ist es schön entspannt. Es haben dann erst Drums und Bass eingespielt und danach kam dann der ganze Rest dran, bis wir Ende Mai alles drin hatten und ans Mixen gehen konnten. Das hat dann alles in allem bis Oktober gedauert, wenn auch die Hauptarbeiten Ende Juni fertig waren. Dann ging es im November ans Presswerk.
Jens P. Neumann: Wer hat alles an der CD mitgewirkt?
Miah: Natürlich unsere Band also Marian am Drum, Andreas am Bass, Tiffel am Keyboard und der Orgel, Guido an der Gitarre, Bertold an der Gitarre, Steffen am Sax und Deti an der Trompete. Als Gast an der Querflöte noch Jochen Schwenken, der auch schon bei Provibes und allen anderen unserer CDs dabei war. Natürlich darf auch unser Studiobesitzer und Engineer Gerd Bracht nicht fehlen, der immer wieder auch Tipps gab. Beim Mixen hat uns wieder Markus Dassmann über die Schulter geschaut, der dann auch noch den letzten Schliff reingebracht hat, nach dem alles fertig gemischt war.
Jens P. Neumann: Schreibst du deine Texte immer alleine?
Miah: Ja, die Texte sind von mir alleine ausgedacht worden. Bei Coverversionen natürlich nicht, aber davon haben wir nicht so viele.
Jens P. Neumann: Wie gehst du dabei vor?
Miah: Manchmal liegt ein Textfetzen jahrelang rum, bis er vertont wird, bis alles passt. Manchmal geht es auch recht schnell und man hat einen netten Refrain zu dem man dann bloss noch Text reimen muß. Manchmal setze ich mich mit unserem Gitarristen Bertold zusammen, singe was vor manchmal kommt er und hat einen Riddim komponiert. Es ist also recht vielfältig und gestreut wie Songs bei uns entstehen.
Jens P. Neumann: Was ist für euch wichtig beim Musik machen?
Miah: Einerseits natürlich der Spass am Musik machen aber auch die Umsetzung musikalischer Ideen, die jeder einzelne in verschiedenem Ausmaß beisteuert. Und für mich persönlich auch die Live Präsentation.
Jens P. Neumann: Welche Musiker beeinflussen euch heute?
Miah: Noch schwerer zu beantworten als die von früher, weil ich mich im Moment nicht so auskenne und auch nicht mehr so dahinter her bin ständig Neues zu finden was Reggae angeht. Schließlich haben wir ja uns (lacht).
Jens P. Neumann: Bekommst du denn überhaupt noch was von dem aktuellen jamaikanischen Output mit? Was hältst du von der Musik?
Miah: Nein, ich kann dazu nicht soviel sagen, ausser dass ich glaube im Moment ein eher geteiltes Bild vom jamaikanischen Reggae zu haben, einerseits sehr Roots und Foundation orientiert, andererseits das Gegenteil. Ich weiß aber nicht, ob das so stimmt.
Jens P. Neumann: Nimmst du denn noch die restliche deutsche Reggaeszene wahr?
Miah: Ich beobachte schon ein wenig was da los ist, das ist aber auch schwer, weil es so viele verschiedene Szenen gibt. In jeder Region, Stadt gibt es doch mittlerweile Reggae Liebhaber.
Jens P. Neumann: Könntest du uns da vielleicht auch anhand einer kleinen Chronologie berichten was sich wie geändert hat?
Miah: Eine Chronologie geht über mein Wissen hinaus, aber ich glaube insgesamt hat sich bei den Sängern viel in Richtung Backing Bands entwickelt und weg von eigenständigen festen Formationen, wie wir es sind. Auch wird sicherlich mehr deutsch getextet, wobei ich nicht glaube, dass Englisch verschwinden wird. Dazu ist Reggae zu international.
Jens P. Neumann: Welche Musiker magst du in dem Bereich?
Miah: Ich hab letztes Jahr mal Ganjaman bei Uwe Bantons Release Party gesehen und fand ihn ganz gut, Nosliw ist auch nicht zu verachten. Wen ich auch gut finde ist Ten Colours (Anm. d. Red.: Downbeat) aus Leipzig.
Jens P. Neumann: Was ist deiner Meinung nach dafür verantwortlich, dass es Reggae bis heute nicht zu einer im Mainstream wirklich ernstzunehmenden Musikrichtung geschafft hat?
Miah: Da wird wohl viel auf den eingefahrenen Klischees herumgeritten, wie ein „richtiger“ Reggaemusiker auszusehen hat und was er oder sie sagen soll und wie. Es könnte auch daran liegen, dass in Deutschland im Mainstream Radio eben nur selten Künstler ausser Gentleman, Seed und ähnliche gespielt werden und dadurch die Vielfalt der Szene in Deutschland gar nicht so wahrgenommen wird. Da reicht auch die Riddim als Printmedium nicht aus. Reggae wird eben immer noch als „Sommermusik“ angesehen. „Sunshine Reggae“ sei Dank.
Jens P. Neumann: Denkst du dass für die ablehnende Haltung gegenüber dem Reggae auch die riesige Debatte rund um die Homophobie verantwortlich sein kann?
Miah: Ich hab diese Debatte eigentlich nicht so verfolgt. Es ist immer möglich, dass negative Berichte über einzelne aus einer Szene auf die ganze Szene negativ wirken. Man sollte aber immer differenziert an solche Fragen herangehen und Wörter wie „alle, immer, nie, keiner“ in einer solchen Debatte möglichst nicht gebrauchen.
Jens P. Neumann: Noch ein abschließendes Statement für die Leser der Seite?
Miah: Vielen Dank an alle Reggae-Town User, die sich durch dieses Interview gelesen haben. Hoffentlich sehen und hören wir uns bald mal irgendwo in eurer Region. Lasst den Reggae leben.
Jens P. Neumann:
Ich danke für das Interview...
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