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Interview mit Manua

Am 28.10.2009 23:38:37

Manua hat schon so manchen Dance in Brand gesetzt, sich selbst gesucht, gefunden und hat die Liebe zum Reggaevibe entdeckt. Bereits 2006 hat die Mannheimerin ihre Debüt EP "Riddim Warriors" veröffentlicht. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Album, ist mit dem Boomrush Backup und dem Female Reggae Showcase in Deutschland unterwegs und hat sich gerade beim Massive Flame Project den ersten Platz gesichert. Längst ist es Zeit mal genauer nachzufragen.

Reggae-Town (Manja Kendler): Aloha Manua, stell dich doch kurz selbst den Lesern vor.

Manua (Manua): Hey, da draußen! Ich bin Manua, komme aus Mannheim und mache seit fünf Jahren deutschen und englischen Dancehall Reggae. Musik hat mich schon recht früh begeistert und ich habe so mit 15, 16 Jahren angefangen eigene Texte zu schreiben. Damals noch vorwiegend Hiphop. Zum Reggae kam ich dann 1999, da hat mich der Vibe gepackt!

Manja Kendler: Wodurch hat der Vibe dich denn „gepackt"?

Manua: An Reggae Musik fasziniert mich hauptsächlich der „positive“ Vibe. Zu Beginn hat mich die Musik allein begeistert. Als ich dann auf meinem ersten Festival war – dem Chiemsee Reggae 2001 – diese Community erlebt habe und Teil davon sein durfte, war es ganz um mich geschehen. Pato Banton hat mich damals weg fliegen lassen. Seit dem vergeht auch kein Sommer ohne Festival. Angefangen Texte auf Riddims zu schreiben, habe ich vor ungefähr fünf Jahren. Ende 2005 ging es dann das erste Mal ins Studio bei Lizzard Recordz.

Manja Kendler: Mit denen du 2006 deine Debüt EP „Riddim Warriors“ raus gebracht hast. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Manua: Ein Arbeitskollege, der auch Musik machte, stellte mich Tobias Obentheuer und Alex Frey vor, die damals das Studio betrieben. Mir bot sich erstmals die Gelegenheit professionell zu recorden und dieses Angebot nahm ich dankbar an. 2007 entschied ich mich dazu, das Studio zu verlassen, weil unsere Prioritäten einfach zu verschieden waren. Mit Alex Frey, der das Studio damals auch verließ, arbeite ich aber auch heute noch gerne zusammen.

Manja Kendler: Danach hast du dir eine Auszeit gegönnt. Wofür hast du die gebraucht, was ist in der Zeit passiert?

Manua: Die Auszeit hab ich mir genommen, um wieder ein Stück mehr zu mir selbst zu finden. Ich war etwas Alltags gestresst, nach Schule, Ausbildung und einigen Jahren im Job. Außerdem war es schon immer einer meiner größten Träume die Welt zu sehen und andere Kulturen zu erleben. Der Trip hat mich und meine Weltansicht neu geprägt, dafür bin ich sehr dankbar. Ich durfte viele tolle Erfahrungen sammeln und das spiegelt sich heute auch in meiner Musik wider.

Manja Kendler: Jetzt arbeitest du an deinem Album. Nach dem, was man so hört, ist die Arbeit ja fast abgeschlossen. Mit wem nimmst du auf und wann können wir mit der Veröffentlichung rechnen?

Manua: Wir haben uns entschieden, erst doch noch mal eine EP rauszuhauen - als Vorgeschmack auf's Album. Das entsteht in Zusammenarbeit mit Martin Dölger a.k.a. der Skorpion und Alex Frey in den ElSkorpio Studios. Wir arbeiten daran, die EP noch dieses Jahr zu veröffentlichen. Diese wird dann voraussichtlich erst mal zum free download, wahrscheinlich bei Reggae-Town.de bereit stehen.

Manja Kendler: Wird es denn Combination Tunes geben, auf der EP oder auf dem Album?

Manua: Das habe ich auf jeden Fall vor. Geplant sind Tunes mit dir, Simply Cat, Klaurice und mit dem Skorpion.

Manja Kendler: Woher kommen deine Riddims?

Manua: Zur Zeit, besteht eine gute Zusammenarbeit mit Boomrush Backup, die mir den Großteil der Riddims liefern, außerdem habe ich von Anfang an viele Riddims über Reggae-Town bezogen. Manchmal rockt mich aber auch einfach ein Riddim von Produzenten wie Pow Pow, die mir zum Beispiel für die Nutzung des „Blaze“ Riddims grünes Licht gaben. Da muss ich dann schauen ob es für die okay ist, wenn ich den verwende – wie bei anderen Künstlern eben auch.

Manja Kendler: Du bist in Patois bewandert. Diese Sprachkenntnis spiegelt sich in deinen Texten wieder, aber auch deutsche Texte findet man bei dir. Reizt es dich, in Jamaika zu recorden? Wenn du es dir wünschen dürftest, mit wem würdest du dann gern mal zusammen arbeiten?

Manua: Bislang war ich leider noch nicht auf Jamaika. Doch ich habe vor, bald das Reggaeland zu bereisen, um mir selbst Eindrücke zu verschaffen. Manchmal habe ich Lust einen Text auf Englisch oder Patois zu schreiben, einfach weil mich der Sound der Sprache total rockt. Momentan reizt es mich aber vorrangig mit Künstlern in Deutschland zusammen zu arbeiten zum Beispiel House of Riddim. Mich würde auch mal eine Zusammenarbeit mit Ganjaman oder Raggabund reizen.

Manja Kendler: Welche Musiker beeinflussen dich und deine Arbeit im Moment?

Manua: (lacht) Oje, wo soll ich da anfangen? Also, Musik hat mein Leben von jeher beeinflusst. Auch ganz verschiedene Musikrichtungen. Angefangen von Soul über Hiphop, aber auch Rock und natürlich Reggaemusik haben mich geprägt. Zurzeit faszinieren mich Künstler wie zum Beispiel Uwe Banton, Queen Ifrica, Frank Dellé und Uwe Kaa. Du findest in meinem CD Regal aber auch Sachen wie Fanta 4, Alanis, Cypress Hill oder The Prodigy, sehr verschieden also.

Manja Kendler: Zum 1st Circle des Massive Flame Projects hast du mit „Wer gibt den Kindern die Hoffnung“ den Gewinnertune geliefert und einen Brennpunkt unserer Gesellschaft thematisiert. Was kann man denn inhaltlich von dir auf der EP und dem Album erwarten?

Manua: Yeah - Big up MANJA! Das war 'ne tolle Zusammenarbeit! Auch der „Waterfountain“ von Rapid Fire ist ein sehr gelungener Riddim. Mir ist es generell wichtig, mit meinen Songs auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen. Ich weiß, das ist das typische Reggae Phänomen aber mir ist einfach wichtig, dass die Augen der Menschen offen bleiben oder manchmal auch geöffnet werden, dass Problematiken einfach im Bewusstsein bleiben, damit sie auch irgendwann gelöst werden. Je mehr Menschen ein Bewusstsein dafür haben, umso größer ist die Chance gemeinsam etwas zu verändern. Dennoch soll aber auch der Feierfaktor in meinen Tunes nicht zu kurz kommen. Ich liebe es mit und in der Massive gemeinsam abzufeiern und das Community Gefühl immer wieder neu zu erleben.

Manja Kendler: Du wohnst in Mannheim, beschreib' uns mal deinen Eindruck zur Reggaeszene vor Ort.

Manua: Bei uns in der Gegend (grinst) gibt es eigentlich eine recht große Reggaeszene. In Mannheim selbst, würde ich behaupten, hat DeeBuzz nach wie vor das Hauptmonopol im Rude 7. Wobei dorthin auch viele andere Sounds und Liveacts zum Gastspiel kommen.
Die Island Refreshers veranstalten aber auch noch regelmäßig Partys in einer anderen Location. In umliegenden Städten werden regelmäßige Dances von Sounds wie zum Beispiel Fenshi, Big Mama, Slinrockaz, Big River oder Bass Tone veranstaltet. Es ist also jede Menge Action bei uns in der Region.

Manja Kendler: Folgt man dir online bei MySpace und Twitter, kann man lesen, dass du deine Wochenenden zurzeit im Studio verbringst. Was passiert in deinem Leben, wenn es nicht um die Musik geht?

Manua: Momentan passiert außer Musik und arbeiten leider nicht viel. Bin derzeit noch stark in meinem Job eingebunden. Außerdem ist es noch so, dass ich, was meine Musik und die Gestaltung von MySpace, Grafiken, Promo und so weiter betrifft, weitgehend alles alleine mache, abgesehen vom Mischen der Songs. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Wenn dann noch Zeit übrig bleibt, teile ich die gern mit Freunden oder besuche Konzerte und Clubs oder lass auch einfach mal die Seele baumeln.

Manja Kendler: Du hast deinen Job angesprochen. Was machst du da?

Manua: Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zur Erzieherin - ich nenne es lieber Lebensbegleitung - gemacht. Zurzeit arbeite ich in einer Einrichtung für Lernbehinderte und, wieder ein Unwort, sozial schwache Jugendliche.

Manja Kendler: Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Manua: Hoffentlich gesund und munter noch auf diesem Planeten.

Manja Kendler: Was ist Babylon für Dich?

Manua: Babylon? Für mich ist Babylon all das, was die Freiheit des Individuums einschränkt und all das, was rücksichtslos und auf Kosten anderer Menschen auf dieser Welt passiert und somit für Leid und Armut sorgt. Sprich Kapitalismus, Rassismus, Krieg...

Manja Kendler: Bist du schon mal auf einer Dagga-Party gewesen?

Manua: Nein, auf einer Dagga-Party war ich noch nicht. Reizt mich auch nicht unbedingt. Also du meinst doch diese halbnackten Arschwackel Partys mit öffentlichem Fast-Sex, oder?

Manja Kendler: Ja genau die (lacht). Hast du noch abschließende Worte für die Leser?

Manua: Abschließend möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die mir bisher auf meinem Lebensweg zur Seite standen. Bei allen, die mich musikalisch unterstützt haben, vor allem der Skorpion, Alex Frey, Boomrush Backup, Klaurice, Reggae-Town und natürlich bei der Massive, mit der ich schon einige tolle Gigs erleben durfte. Auch die Mädels vom Female Reggae Showcase haben Dank verdient, denn die Zusammenarbeit ist super und das obwohl wir uns vorher alle nicht kannten. Mir persönlich hat dieses Projekt auch ein ganz neues Selbstbewusstsein gegeben. Me just say „Watch out di queens come along!!“.

Manja Kendler: Ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche dir viel Erfolg mit deiner EP und dem Album.

Manua: www.MySpace.com/ManuaMusic www.Twitter.com/ManuaMusic

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