Licht aus, Spot an!
Letzen Monat vom 25. Februar bis 27. Februar fand in Jamaika das dritte Reggae Film Festival statt. Wir haben Ende letzen Jahres schon über einige Filme rund um das Thema berichtet. Es ist aber eine gute Gelegenheit mal einen Blick auf das Line-Up des Festivals zu werfen und ein paar weitere Filme etwas genauer zu beleuchten…Seit "The Harder They Come" aus dem Jahr 1972, mit Jimmy Cliff in der Hauptrolle, wurden viele Filme und Dokumentationen gedreht, die sich mit der jamaikanischen Musikkultur auseinandersetzen. Seit 2008 fasst man diese Filme in dem Genre "Reggae Films" zusammen. Vor zwei Jahren fand dann auch erstmals in Jamaika das Reggae-Film-Festival statt, um seinem Genre ein Forum zu geben. Ziel ist es eine größere internationale Aufmerksamkeit zu erlangen und den Machern in der Szene die Möglichkeit zu geben bei diesem Treffen untereinander Kontakte zu knüpfen und neue Projekte zu starten. Es wurden bereits Filme wie "Almost Heaven" oder "Dub Echoes" vor allem durch den Medienrummel rund um das Festival international bekannt.
Unter anderem wurden dieses Jahr folgende Filme und Dokumentationen gezeigt:
Concrete Jungle - Kingston 12 (2010)
Kurt Fuller zeigt in seinem Film den täglichen Kampf in Concrete Jungle - einem der härtesten Ghettos in Jamaika. Der Protagonist Singy - der in Concrete Jungle aufgewachsen ist - hat den Ausbruch der Gewalt in seiner Gemeinschaft zwischen seinen Freunden der Bangers Gang, die mittlerweile notorische Mörder geworden sind, und der Mafia Gang miterlebt. Auf Grund seiner Passion zur Dancehall Musik beginnt er an seiner Musikkarriere zu arbeiten, was ihn zum Hauptfeind der gegenüberstehenden Gang macht.
Einen Trailer könnt ihr hier sehen.
Reggae In The Ruff (2009)
Don McConnell geht, fernab von weltlichen Einflüssen, in die Berge Jamaikas und versucht herauszufinden, was Reggae für die Menschen und Macher der Musik bedeutet. Er geht zu den Wurzeln, zu den unbekannten Interpreten, die die Musik leben ohne dem Kommerz oder sich verändernden Trends zu unterwerfen. Interviews, Reasonings und Liveperformances von und mit Rastaältesten wie Preacherman oder Johnny Walker sollen den Geist des Reggae offenbaren. Die Dokumentation feierte während des Festivals Weltpremiere.
Rasta's Paradise (2008)
von Parine Jaddo

250 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba liegt Shashemene. Im 19. Jahrhundert als Garnisonstadt gegründet wurde sie 1948, als Haile Selassie den westlichen Afrikanern 500 Hektar Land schenkte, Dreh- und Angelpunkt der Rastafari-Bewegung in Afrika. In Folge dessen zogen ungefähr 22 Familien aus Jamaika nach Shashemene. Heute besiedeln mittlerweile rund 80 Familien, die Teil der Rastafari-Bewegung sind, aus verschiedenen Orten der Welt die 100.000 Einwohnerstadt. Der Film erklärt die Zusammenhänge zwischen der schwarzen Diaspora, Afrika, der Verbindung zum jamaikanischen Panafrikanisten Marcus Garvey und den Gründen für eine Repatriation nach Äthiopien. Die Videoaufnahmen wurden während der 60. Geburtstagfeier für Bob Marley im Februar 2005 in Addis Abeba gedreht und führen später nach Shashemene.
The Story of Randy's (2007)
von Christopher & Clive Chin

Vincent und Patricia Chin gründen 1958 Randy's Record Mart in Kingston. Was daraus geworden ist? VP Records - der weltgrößte Vertrieb und Record Label für Reggae. Der Film erzählt die Geschichte des kleinen Record Shops und seinen Aufstieg zu einem der führenden Studios in Jamaika - Studio 17 - in den Anfangstagen des Reggae. Die Dokumentation beinhaltet seltene Filmaufnahmen und Interviews mit Künstlern wie Lord Creator, Ken Boothe, Stranger Cole, Derrick Harriott, Niney The Observer, Johnny Dizzy Moore, Jah Stitch, Big Youth, Sly Dunbar, Earl Morgan (The Heptones) und Pat Kelly.
Ruff'n Tuff: Founders Of The Immortal Riddim (2006)
Eine japanische Dokumentation über die Ursprünge des Reggae von Shizuo Ishi. Der Film feierte in Jamaika seine Premiere und es waren unter anderem bedeutende Künstler wie U-Roy, Alton Ellis, John Holt, Gregory Isaacs, King Tubby, Yellow Man, Bob Andy, Stephen Stanley und Gladstone "Gladdy" Anderson auf der Leinwand zu sehen. Gezeigt wurde der Film als ein Tribut an den am 20. Januar 2010 verstorbenen Lynn Taitt, dessen Wirken in der Entstehung von Rocksteady ebenfalls beleuchtet wird. Es gibt nicht viele Informationen über "Ruff'n Tuff", aber einen Trailer könnt ihr Euch hier ansehen
Lynn Taitt - Rocksteady (2007)
von Generoso Fierro
Wo wir schon bei Lynn Taitt sind: Es gibt auch eine Dokumentation, die sich ausschließlich mit seiner Arbeit beschäftigt. Der in Trinidad geborene Lynn Tait war lange Zeit Gitarist bei den Skatalites. Er war Komponist, Sessionmusiker und Arrangeur. So war er von 1962, als er nach Jamaika kam, bis 1968 in ungefähr 1500 Produktionen involviert. Damit ist sein Einfluss auf die Ära des Rocksteady enorm. Später ging er nach Kanada, wo er letzten Monat im Alter von 75 Jahren seiner Krebserkrankung erlag.
Coping With Babylon (2007)
von Oliver Hill

Wie geht man als Rastafari oder als afrikanischer Nachkomme in der westlichen Welt mit Babylon um und was genau ist Babylon eigentlich? Diese Fragen soll dieser Film klären. Es werden viele verschiedene Meinungen von unter anderem Prince Emanuel, Ascento Fox, Luciano, Freddie McGregor oder Beenie Man eingeholt. Elephant Man scheint sich das Zurechtkommen mit Babylon relativ einfach zu machen. Hier sein Statement : "Yeah, Babylon is everywhere, man! World, World is filled with Babylon. But you know we Jamaicans we nah deal with it - we keep it jiggy!".
Einen Trailer gibts es hier.
Wen der Film interessiert kann ihn sich hier ansehen.
Destination Jamaica (a.k.a. Rastafarian Dreams)(2004)
von George Tait (a.k.a. Jungle George)

Das klingt doch wie eine weitere Reisedokumentation über eine Insel von der man meist nicht mehr kennt als Palmen, Rum und Reggae. Doch diese Dokumentation ist anders! Der kanadische Autor und Filmemacher George Tait verließ in den 80er Jahren seine Heimat in Woodstock/Kanada und ging mit einem der ersten öffentlich zugänglichen Camcorder ausgerüstet nach Jamaika, wo er schließlich ganze 20 Jahre verbrachte. Die Aufnahmen zeigen sein Leben in South Broughton mit einer Rastafamilie - den Sommervilles. Die Jamaikanische Film Akademie empfiehlt diesen Film jedem, der sich für das "echte" Jamaika interessiert.
Interessant ist, dass auch wesentlich ältere Filme im Line-Up stehen. Das geschieht wohl auch aus der Not heraus, da dieses Filmgenre keinen sonderlich großen Output hat. Es bleibt trotzdem die Frage offen, warum sich die durchaus sehr gelungene schweizer Dokumentation "Rocksteady: The Roots Of Reggae" von Stascher Bader nicht unter den teilnehmenden Filmen befindet. Premiere feierte der Film schließlich schon letzten Sommer. Übrigens soll der Film doch noch in die deutschen Kinos kommen. Wir berichteten bereits hier.
Das wäre ein weiterer guter Schritt Reggae einem breiteren Publikum näher zu bringen. Entgegen all der Diskussion bezüglich homophober Texte ergibt sich für die Musik momentan einiges an Möglichkeiten. Gentleman hat einen Major-Deal, Movado eine Single plus Video mit Refugee Wyclef Jean ("Hold On") und Damian Marley und Nas arbeiten an einem gemeinsamen Album. Es gab in der letzen Zeit auch einige weitere Cross-Over-Projekte - siehe Major Lazer im letzten Jahr, die für viel Aufsehen gesorgt haben. Auch The Nextmen schließen sich mit ihrem aktuellen Album "Join the Dots" diesem Trend an. Vielleicht hilft das alles ja dem angeschlagenen Genre wieder auf eine Hochphase wie Anfang dieses Jahrtausends zu kommen.
Bis dahin kann man sich auf eine weitere Filmproduktion freuen. "Out The Gate" erscheint im Frühjahr diesen Jahres. Mal wieder befinden sich Artists wie Lady G oder Mr. Lexx, den man noch gut vom Major Lazer Feature - "Hold The Line" - in Erinnerung haben sollte, im Starring.
Dies waren nicht alle Filme, die beim Festival gezeigt wurden. Es folgt ein zweiter Beitrag mit weiteren Filmen zum Thema.
I-Kalonji, Mittwoch, März 03, 2010
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